Wahn! Wahn! Überall Wahn!, Sachs's aria from Die Meistersinger von Nürnberg Wahn! Wahn! Überall Wahn! Wohin ich forschend blick in Stadt- und Weltchronik, den Grund mir aufzufinden, warum gar bis aufs Blut die Leut sich quälen und schinden in unnütz toller Wut? Hat keiner Lohn noch Dank davon; in Flucht geschlagen wähnt er zu jagen; hört nicht sein eigen Schmerzgekreisch, wenn er sich wühlt ins eigne Fleisch, wähnt Lust sich zu erzeigen! - Wer gibt den Namen an? - 's ist halt der alte Wahn, ohn den nichts mag geschehen, 's mag gehen oder stehen! Steht's wo im Lauf, er schläft nur neue Kraft sich an: gleich wacht er auf; - dann schaut, wer ihn bemeistern kann! ... Wie friedsam treuer Sitten, getrost in Tat und Werk, liegt nicht in Deutschlands Mitten mein liebes Nürenberg! - Doch eines Abends spat, ein Unglück zu verhüten bei jugendheissen Gemüten, ein Mann weiss sich nicht Rat; ein Schuster in seinem Laden zieht an des Wahnes Faden; wie bald auf Gassen und Strassen fängt der dort an zu rasen! Mann, Weib, Gesell und Kind fällt sich da an wie toll und blind; und will's der Wahn gesegnen, nun muss es Prügel regnen, mit Hieben, Stoss und Dreschen den Wutesbrand zu löschen. - Gott weiss, wie das geschah? - Ein Kobold half wohl da: - ein Glühwurm fand sein Weibchen nicht, der hat den Schaden angericht't. - Der Flieder war's: - Johannisnacht! - Nun aber kam Johannistag! - Jetzt schaun wir, wie Hans Sachs es macht, dass er den Wahn fein lenken kann, ein edler Werk zu tun: denn lässt er uns nicht ruhn, selbst hier in Nürenberg, so sei's um solche Werk, die selten vor gemeinen Dingen und nie ohne ein'gen Wahn gelingen.